Miloni - Chihuahuamischling

 

 

                 Der Kasperl in meinem Leben!

 

Seit November 2017 ist der aufgeweckte, intelligente und über die Maßen liebenswerte Chihuahua-Mischling Milo bei uns eingezogen. Wie es dazu kam und mit welcher Kraft er um sein Leben und sich in mein Leben und letztlich auch mein Herz gekämpft hat, möchte ich euch hier berichten.  (lange aber lesenswert)

 

Obwohl ich mein Veterinärstudium damals abgebrochen habe, arbeite ich freitags als Ordinationshilfe in der Tierklinik Meidling, um auch in diesem Bereich immer am neuesten Stand zu sein. Das kommt meinen Hunden und auch meinen Kunden sehr zu Gute.

 

Wie alles begann

 

Am 3. November 2017 nahm ich das Telefon an und hatte eine Dame am Apparat, die sich über die Kosten einer Euthanasie erkundigen wollte. Wenn es um das Thema einschläfern geht, wird man hellhörig und fragt besonders genau nach. Ihr Hund hätte einen Rektalprolaps (eine Ausstülpung der Schleimhaut des Enddarms aus dem After) , der nicht besser würde und sie möchte nun den Hund einschläfern lassen. Diese Erkrankung ist jedoch in leichten Fällen durch Behandlung oder im schlimmsten Fall, einer Operation zu beheben und eigentlich kein Grund einen Hund einzuschläfern. Ich dachte der Hund sei eventuell bereits in einem hohen Alter, nicht operationsfähig oder ähnliches...  Als mir die Dame jedoch sagte, der Hund sei 11 Monate alt und sie sei Alleinerzieherin weil ihr Freund sie verlassen habe und nun habe sie kein Geld für weitere Behandlungen oder Untersuchungen, schrillten bei mir die Alarmglocken. Nach genauem Nachfragen stellte sich heraus, die Dame war Kundin bei uns und der Prolaps wurde bereits seit Monaten bei uns in der Kartei geführt, jedoch erschien sie immer nur im Extremfall, hatte nie weiterführende Untersuchungen zugelassen und hatte nie eine Therapie abgeschlossen. In 11 Monaten war die Dame 6 Mal bei uns gewesen, hatte jedoch keine der Behandlungen beendet und ist zu den Kontrollterminen nicht erschienen.

 

Ich erklärte ihr, daß eine Euthanasie in Fällen gemacht wird, in denen es keine Möglichkeit zur Heilung oder Therapie gibt - ein Erlösen aus Qualen - jedoch nicht einfach so, nur weil man keine Therapie machen "will/kann" (aus welchen Gründen auch immer). Schon gar nicht bei so einem jungen Hund, der ohne weiteres gesund werden könnte.

 

Das wusste die Besitzerin, daher war sie nicht gekommen. Sie wusste, wir würden den Hund behandeln. Das wollte sie jedoch nicht, da sie dafür kein Geld habe. Sie erzählte mir, sie habe daran gedacht den Hund auszusetzen, jedoch war er auf sie registriert, also ging das nicht. Das Tierheim wollte den Hund nur übernehmen, wenn sie sich an den Behandlungskosten beteilige (angeblich)...  Ihr werdet an der Geschichte noch sehen, das Einzige dass man der Dame zu Gute halten kann ist, dass sie wenigstens so verantwortungsvoll war, bei uns anzurufen.

Ich fragte, ob sie sich nicht irgendwo Geld ausborgen könne, ob ihr Freunde helfen würden oder sie sich schon an Tierschutz-Organisationen oder Tierfreunde gewendet hätte, die in solchen Fällen helfen können - sie verneinte dies und ich bat sie, das nun nachzuholen.

Ich versprach ihr einen Rückruf und sprach mit meinem Chef über diese Situation.

 

Der nächste Anruf brachte eine ganz andere Situation zu Tage! Ich erfuhr, daß der Hund seit Tagen nichts mehr fraß, an Durchfall und Erbrechen litt und bereits "etwas abgenommen" hätte. Ausserdem habe sie erfolglos versucht, ihn zu verkaufen.

Ich versuchte ihr klar zumachen, dass sie froh sein könne, überhaupt jemanden zu finden, der sich um ein so krankes Tier annimmt! An Verkauf zu denken sei irrwitzig!

Ich wies sie mit Nachdruck auf die Verantwortung hin, die sie beim Kauf des Hundes übernommen habe. Sie möge sich nun hinsetzen und verschiedene Organisationen googeln und dort sofort Kontakt aufnehmen, da so wie sie mir den Hund beschrieb, der unbedingt an diesem Tag noch zum Tierarzt müsse.

Ich versprach mich selbst auch zu erkundigen, jedoch solle sie sich nicht auf mich alleine verlassen, da hierbei der "Hut brennt"!

Ich erfuhr, dass der Hund seit ein paar Tagen nur mehr in einer Ecke herumlag, dennoch war ihre Antwort, wie ich mir das vorstelle, schließlich habe sie Kinder und keine Zeit.

Ich muss ehrlich sagen, innerlich war ich in dieser Situation an meiner Grenze und musste mich sehr zusammennehmen, da ich dem Hund ja unbedingt helfen wollte. Aber ich war hin und hergerissen zwischen Ärger, Ohnmacht, Unverständnis, Verzweiflung, trauerndes Mitgefühl für diese arme Kreatur! Nachdrücklichst wies ich sie an, auf der Stelle ihren Kindern einen Film aufzudrehen und sich sofort mit dem Handy ans googeln zu machen, das wäre das Mindeste, dass sie dem Hund nun schuldig wäre!!!

 

Mir fiel ein, daß ich eine ganz liebe Kundschaft hatte, die im Tierschutz tätig war und sogar einen eigenen kleinen Verein (www.facebook.com/seelenhund.at) hatte. Ella war wie immer sofort engagiert und mit Rat&Tat zur Stelle. Ich fragte, ob sie die Kosten der heute notwendigen Untersuchung übernehmen oder einen Zuschuß anbieten könne. Ella und ihr Verein Seelenhund hätten diesbezüglich sofort Hilfe angeboten.

In meinem Kopf ratterte es natürlich bereits die ganze Zeit!

Da die Dame den Hund sowieso nicht mehr wollte, dachte ich daran ihn eventuell zu mir zu nehmen. Doch ich wusste weder was der Hund hatte, in welchem Zustand er sich tatsächlich befinden würde, ob das Ganze ansteckend sein würde....  Daher erfragte ich die Möglichkeit eines eventuellen Kostenzuschuss oder eines Pflegeplatzes, falls ich ihn übernehmen, jedoch nicht bei mir behalten könne.

Ella besprach das in ihrem Verein und versicherte mir, wenn ich ihn zumindest übers Wochenende nehmen könne, würden sie im Notfall einen Pflegeplatz für den Kleinen finden und mir helfen.

 

Für mich war somit die Entscheidung gefallen! Mit diesem Hintergrund war für mich klar, ich würde mich selber um alles weitere für den Kleinen bemühen!

 

In dem Wissen, der Dame und vor allem dem Hund helfen zu können, rief ich bei ihr an und eröffnete ihr freudig, ich würde mich dem kranken Hund annehmen und mich um ihn kümmern! Sie brauche nichts zu bezahlen, ich übernehme seine medizinische Versorgung und würde ihm, sobald er gesund sei, einen Lebensplatz finden.

 

Mir gefiel ihre erste Reaktion, da sie sich trotz allem Sorgen machte, dass der Kleine ein Wanderpokal werden könnte. Ich versprach ihr fest darauf zu achten, dass dies nicht passiere und bat sie, ihn so rasch als möglich zu bringen, damit er Hilfe erhalte.

 

Ihre Antwort: " Ja aber heute kann ich nicht kommen, ich bin nicht in Wien!"

 

Sie sei mit den Kindern und dem Hund zu ihrer Freundin nach Tulln gefahren. Sie habe kein Auto und mit dem Zug käme sie erst spät abends in Wien an. Der Hund läge regungslos in einer Ecke, doch (um besser dazustehen meinte sie) sie dachte die Luftveränderung in Tulln täte ihm gut.

 

Nun explodierte ich innerlich! Und ich erklärte ihr etwas unwirsch: "...seit Stunden probieren hier vier Personen ihr Problem zu lösen und dem kleinen Hund zu helfen! Sie hatten bisher nichts versucht in die Wege zu leiten... Jetzt wo ich ihnen, eine für Sie perfekte Lösung biete,  die ihnen nichts kostet, sie von dem gesamten Problem befreit sagen sie mir, sie können nicht kommen???!!!!"

 

Ich wusste wirklich nicht mehr weiter! Mein aller erster Gedanke war, den Hund aus Tulln zu holen. Doch er brauchte sofortige medizinische Hilfe und ich hatte Dienst bis abends...

 

Sie möge nun sofort einen Freund anrufen, der sie mit dem Auto nach Wien brächte.

Dann schrie sie, "...ich habe ihnen gesagt, mein Freund hat mich verlassen!" Ich: "Ja! Ihr Freund! Ich kenne ihre Freunde nicht, aber sie werden wohl irgendjemanden in ihrem Freundeskreis mit einem Auto kennen. Den rufen sie jetzt an und ich erwarte bis 17Uhr ihren Rückruf, um mir zu sagen, wann sie mir ihren Hund bringen!!! Ich bin bis 19Uhr in der Klinik und wir müssen ihn auch noch behandeln, also organisieren Sie bitte etwas, das ist das mindeste was sie dem Hund jetzt noch schulden!"

 

Je mehr Zeit verging, desto unruhiger wurde ich. Was, wenn sie nicht käme? Was, wenn ich nach all dem, den Hund nicht helfen könne?

Mein Chef war bereits gereizt, da ich mich den ganzen Tag um diese Sache kümmerte und fragte mich: "..warum hängen sie sich da so rein? Verstehen und sehen sie nicht , dass es dieser Besitzerin völlig wurscht ist, was aus dem Hund wird!?!"

 

Endlich... - kurz nach 17Uhr der Anruf, sie sei am Weg zu uns in die Klinik!

 

Rückwirkend gesehen, war diese Dame durch die Lebenssituation emotional vollkommen überfordert! Und obwohl man hätte früher reagieren und sich engagiert um Hilfe oder eine Lösung kümmern hätte sollen, konnte sie es wohl einfach nicht. Ich glaube es war ihr nicht wirklich egal was aus dem Hund wurde oder wie es ihm ging, dennoch war ihr Nichtstun definitiv nicht in Ordnung und wie wir dann sahen, Tierquälerei.

 

DENNOCH - SIE HATTE BEI UNS ANGERUFEN und das hat dem Kleinen letztlich das Leben gerettet! Und das rechne ich ihr hoch an, denn jemand anderes, dem der Hund tatsächlich egal gewesen wäre, hätte ihn ausgesetzt oder sterben lassen! Danke liebe Vorbesitzerin - durch diesen Anruf haben Sie, wenn auch in letzter Sekunde, das Richtige getan!!! ...und ich bin froh, dass ich ihn angenommen habe!

 

Der Hund kam bei uns an...der Anblick war entsetzlich!

Der kleine Kerl hatte kaum noch Muskulatur und war bis auf das Gerippe komplett abgemagert. Er verlor Blut über den Darm. Ein übler Geruch umgab ihn. Der Darm hing mehrere cm aus dem Po. Der Hund hatte dadurch dauernd den Drang zu pressen, jedoch kamen nur Blutstropfen. Er hatte unsagbare Schmerzen! Er hatte tote, schwarze Augen und lag kraftlos zu einem kleinen Rippen-Fell-Haufen zusammengesunken da. Er konnte nicht einmal den Kopf hoch halten. Er hatte starke Untertemperatur, ein Zeichen dafür, dass der Körper bereits begann abzuschalten.

 

Ich erledigte den Papierkram, ließ mir die Übereignung des Hundes unterschreiben und hatte nun einen kleinen, schwer leidenden, totkranken Hund.

Milos Genesung

 

 

Der kleine Kerl hieß Milo.

Wir repunierten den Prolaps (der Darm wird zurück in den After geschoben), was ihm irre Schmerzen verursachte, jedoch nötig war.

 

Er bekam sofort einen Venenzugang, wurde an eine Infusion gehängt und auf Wärmekissen gebettet.

 

Abends nahm ich ihn mit nach Hause. Er verlor ständig Blut und Darmsekret, musste alle 3/4 Stunden Gassi, da er den Kotdrang nicht länger ertrug. Es kam aber nichts aus ihm heraus. Ich präperierte meine Couch mit Handtüchern und schlief dort mit ihm, soweit sein Zustand es zuließ. Für die erwärmte Infusion an der er hing, schlug ich einfach einen Nagel in meine Wand.

Gerade an diesem Wochenende hatte ich eine Friseur-Fortbildung AsiaStyle. So brachte ich ihn morgens in die Klinik und holte ihn abends wieder für eine Nacht auf der Couch ab. Zum Glück hatte unsere Chirurgin Dienst, die sich den Prolaps genauer ansah, was jetzt nach dem Einsetzen der Schmerzmittelnwirkung überhaupt erst richtig möglich war. Sie stellte fest, dass es sich um eine Invagination des Darmes, nicht um einen einfachen Prolaps handelte.

Dies bedeutet, dass sich der Darm in sich selbst stülpt, ganz so als würde man einen Socken umdrehen wollen, jedoch bei der Hälfte damit aufhören. Der Po wurde soweit zugenäht, dass der Darm nicht mehr herausflutschen konnte und für Montag eine Not-OP angesetzt, in der Hoffnung der Kleine würde kräftig genug sein, um diese durchzustehen. Dieser Versuch war die einzige Option ihm das Leben zu retten.

Das gesamte Ausmaß der Invagination war erst am OP-Tisch sichtbar. Es war der Blinddarm in den Dünndarm und dieser in das erste Drittel des Dickdarmes gerutscht. Dort hat sich dieses Gewebe bereits verklebt und dieses Gesamtkonvolut war dann durch den Dickdarm gerutscht und beim After vorgefallen. Milo standen ca 12cm Darm beim Po raus. So eine Invagination ist unbehandelt tödlich! Junghunde haben solche Sachen häufig, nach starken oder immer wiederkehrenden Durchfällen. Die Därme sind so entzunden, erweitert, geschwollen und gereizt, dass sie vor allem an den Übergängen ineinander rutschen können. Milo kam mit 3 Monaten das erste Mal in die Klinik mit Durchfall und wurde nie ausgeheilt!  Laut unserer Ärzte hätte Milo kaum noch weitere 3 Tage gelebt!!!

 

Wir entfernten den kaputten Darm, der einen relativ langen Teil des Dünn- und ein gutes Drittel des Dickdarmes darstellte.

Die Prognose war vorsichtig, da diese Invaginationen gerne wenige Wochen später an anderer Stelle oder der Nahtstelle wieder auftreten. Meine Kollegen baten mich, mich nicht zu früh zu freuen, er sei noch lange nicht über dem Berg.

Doch der Kleine kämpfte weiter. Seine Schmerzen vergingen, seine Wunden verheilten. Sehr langsam kehrte seine Lebenslust zurück.

Er brauchte viel Wärme. Ich glaube soviel Heizkosten wie in diesem Winter hatte ich noch nie. Körperkontakt war ihm sehr wichtig und ich gab ihm diesen. Er durfte bei mir im Bett unter der Decke schlafen (was er bis heute noch macht).  Milo war zu Beginn schnell erschrocken und erwartete bereits bei Kleinigkeiten Schimpfe oder Schlimmeres. Er war irre bemüht sauber zu sein, auch wenn es ihm nicht immer gelang.

 

Das Erschreckende war - dieser kleine Hund kannte nichts!

In der Wiese wurde er panisch wenn er Gassi musste. Er konnte zu Beginn nur auf Asphalt koten! Das man in der Wiese gassigehen kann, musste er erst lernen. Er versuchte, als es ihm schlecht ging, alle Menschen zu beknurren und zu verbellen. Da musste ich sofort dagegen steuern, sonst hätte ich jetzt einen kleinen Kläffer. Er hatte keinerlei Beißhemmung! Er hatte dies offenbar als Baby nie gelernt. Auch im Spiel hat er irre fest zugebissen. Es stellte sich heraus, er liebt alle Menschen, mag Babys, bei Kindern jedoch, vor allem Buben ab 5Jahren, war er sehr misstrauisch und auf Abwehr eingestellt.

 

Immer wieder musste ich an die Worte denken, die mir die Vorbesitzerin bei der Übergabe gesagt hatte: "...er war ja den ganzen Tag in der Küche eingesperrt, ich habe drei Kinder, ich hab nicht die Zeit so oft mit ihm Gassi zu gehen und mit dem Blut und dem dauerndem Durchfall hab ich ihn halt auf den Fliesen gehalten und dann dort aufgewaschen." Daher war der kleine Kerl so dürstend nach Körpernähe und sozialer Wärme!

"...meine Kinder hat er halt gebissen, aber das macht ja nix, die haben sich eh gewehrt...sie haben ihn halt auch sekkiert aber er hat sich auch gewehrt..."

Kein Wunder, dass er weder die Beißhemmung lernen konnte, noch Buben als freundliche Spielgefährten betrachtete.

 

Er hatte sich sehr schnell an mich "gehängt". Bei den Nachuntersuchungen schrie und biss er, ausser ich hielt ihn. Dann schrie er, weil er Angst vor Schmerzen hatte, jedoch hat er nie versucht zu schnappen.

Seine Lebensgeister kamen wieder zurück und er durchlief die komplette Welpen- und Junghundentwicklung im Eiltempo! Für mich als Trainer war es so interessant zu sehen, dass alle Phasen, die ein Welpe in den ersten 6 Monaten durchlebt und alle Veränderungen im Verhalten und Wesen die hier dazu gehören, von Milo im Schnelldurchlauf nachgeholt wurden.

 

So hatte er zum Beispiel eine Phase, in der er ALLES untersuchte, zerbiss und leider (vor allem weil ihm im ersten halben Jahr immer wieder sehr übel war) fraß. Ich weiß gar nicht wieviele Kuli, Radiergummis, Ladekabeln, Tixobänder uvm "evakuieren" mussten. Ich muss gestehen, daran habe ich auch nicht gedacht, da mein Tayo soooo brav war und nie etwas kaputt gemacht hatte.

 

Als nächstes muss ich sagen, ich wusste nicht wieviel Spielzeug mit Quietschis ich hatte! Tayo hatte nie Spielzeug das quietschte, weil ich von Beginn an bereits darauf achtete, dass er die Schmerzsignale seines Gegenübers zweifelsfrei deuten konnte.

 

Hunde die mit Quietschis spielen, wissen oft nicht richtig auf schmerzhaftes Aufquietschen von Kindern, anderen Hunden usw zu reagieren, da ja Quietschen zum Spiel dazu gehört und ur lustig ist!

Wenn Tayo so fest in ein Stofftier beisst, dass es quietscht, lässt er es erschrocken fallen und untersucht es auf Schäden. Nicht so der Milo! Ich habe 2 Monate lang Quietschis in Spielzeugen "getötet" (Holzspieße oder Stricknadeln eignen sich dafür perfekt!). Unsagbar, er brachte immer wieder ein neues aus dem Hundespielkorb, das lästige Töne von sich gab. Es ist natürlich auch schwer die Beißhemmung zu trainieren, wenn der Hund gelernt hat, erst wenns quietscht wird es so richtig lustig!

 

Es war wundervoll zu sehen wie seine Augen wieder zu funkeln begannen und er aktiv sein Leben genoss. Man merkte richtig, dass er von der Welt noch kaum etwas gesehen hatte. Jeden Tag lernte er etwas Neues kennen. Alles war interessant für ihn! Jeder Grashalm roch anders, jedes Loch war ein Erlebnis, er merkte dass die Welt grün, rot, gelb, blau war, es große Wasseransammlungen, genannt Teiche, gab. Eigenartige, quakende Tiere mit Federn schwammen darin. Die Welt war ein Wunder und jetzt zum ersten Mal hatte er die Möglichkeit all diese wunderschönen, neuen Dinge kennenzulernen.

Zum ersten Mal ein Leben ohne Schmerzen!

Milos Vermittlung auf einen neuen Lebensplatz:

 

Ich habe schon lange an einen zweiten Hund gedacht. Einen zweiten Aussie. Jedoch war Tayo eher ein Einzelhund. Wenn ich einen zweiten Hund bei uns hatte und ich einmal strenger sein musste, fühlte sich Tayo sofort angesprochen. Er zog sich zurück, spielte nicht mehr, gab sich und sein Leben auf. Er ist keiner der sich "auf die Beine stellt". Er zieht sich zurück und gibt sich richtig auf. Daher hatte ich mir keinen zweiten Hund in Tayos Leben holen getraut. Tayo war mein Herzenshund und er würde immer vorgehen!

 

Lustiger Weise hatte ich in den Wochen vor Milos Auftauchen, immer wieder Mal Chihuahua-Züchter gegoogelt. Infiziert durch die Arbeit mit den Minis, wusste ich was für großartige Hunde das sein konnten und gerne hätte ich einen als Trainerhund gehabt. Jedoch einen nicht zuuu kleinen und letzten Endes war die Idee "ja sowieso total blöd und undurchführbar", allein schon wegen Tayo und weil ich doch , wenn einen zweiten Hund, eigentlich einen Aussie wollte.

 

Nun ja, ich glaube ja nicht an Zufälle!

 

Ich arbeite NUR Freitag in der Klinik. Die Vorbesitzerin hatte Milos Krankheitsverlauf so lange zugesehen und gerade an einem FREITAG bei uns angerufen. Es waren vier Leute im Dienst, und dieses Gespräch habe natürlich "zufällig" gerade ICH angenommen!

 

So kam es auch, dass Milo Tayo völlig wurscht bis wieder sehr unangenehm war.

 

Ich wollte Milo nicht vor Weihnachten vermitteln, da er kein Geschenk werden sollte! Milo gewöhnte sich sehr rasch an mich, sodaß der Gedanke ihn zu vermitteln mich schon etwas nervös machte, schließlich war es eine irre Verantwortung den perfekten Lebensplatz zu finden, obwohl er ein derartiger Lebenskünstler war, dass er mit Situationsveränderungen sehr rasch klar kam und somit eine Vermittlung absolut möglich war.

 

Als ich mich eine Woche vor Weihnachten entschied, Milo ab der ersten Jännerwoche zu inserieren und Ella zu Hilfe zu bitten, begann Tayo wie ein Welpe mit Milo zu spielen!

Die beiden waren sooo lustig zusammen! Sie balgten, liefen, hüpften herum, es war großartig, dass mein Großer soviel Spaß hatte. Er war nicht der Hund, der mit allen spielte, daher war ich besonders verzaubert.

 

Eine Kundschaft von mir, die die beiden das erste Mal sah, schmunzelte sofort und meinte Milo gehöre zu uns. Ich verneinte und erklärte ihr, dass ich ihn vermitteln möchte, weil ich auch nicht weiss ob Tayo mit solch einer Entscheidung glücklich wäre. Ich wusste, sie war Tierkommunikatorin. Sie hatte mir bereits in entscheidenden Situationen bei meinen Tieren geholfen und ich wusste, sie hatte eine Gabe Infos, die Hand und Fuß hatten, zu bekommen, auch wenn man sich es nicht erklären konnte (es maßen sich ja viele ein derartiges Können an obwohl sie die Gabe gar nicht besitzen, daher muss man bei so etwas besonders vorsichtig sein, und ich glaube nicht so rasch an die Gabe Anderer).

Sie lachte und meinte: "...Tayo hat sich bereits entschieden, er lässt sich nur noch nicht komplett drauf ein, weil er deine Unsicherheit spürt!"

 

Ich hatte dennoch Zweifel, aber naja, jetzt wo sie soviel Spaß miteinander hatten, war ich mir nicht mehr so sicher, ob es nicht doch eine gute Idee wäre. Andererseits wusste ich, "zwei Hände, zwei Hunde", wenn ich mir diesen kleinen Racker behalten würde, wäre der Aussitraum vorbei...

 

Das neue Jahr startete bereits und die Hunde waren immer noch glücklich. Bei jedem Spiel kam Tayo strahlend zu mir als ob er sagen wollte: "...Kuck mal Mama, mein neues Spielzeug...is uuur lustig!" bevor er wieder weiterspielte.

Also war meine Antwort: "Na gut, wenn er dir sooo gut gefällt, darfst du ihn behalten!"

 

Kaum war diese Entscheidung gefallen, hörten die Spielereien auf und ich hatte zwei Hunde, die jeder für sich um Action mit mir bettelten.

 

 

 

 

 

Eines muss ich sagen:

2 Hunde - doppelt soviel Arbeit

2 Hunde - doppelt soviel Zeit

2 Hunde - vielfacher Aufwand

2 Hunde - oftmals stressig

 

Das muss man wissen bevor man sich einen Zweithund nimmt! Nichts wird einfacher.

Ich wusste das und trotzdem war ich überrascht wie groß, die Veränderung in alltäglichen Kleinigkeiten war...

 

Je unterschiedlicher die Hunde und deren Bedürfnisse sind, desto größer ist die Umstellung. Es ist nicht so einfach eine schmale, dünne Leine mit einem leichten Hund gleichzeitig mit einer großen Leine und großem Hund zu händeln.

 

Auch der Unterschied der Charaktere ist entscheidend. Man muss ständig switchen können, um auf den jeweiligen Hund adäquat zu reagieren und man muss seinen Alltag so gestalten, daß man beiden Hunden gerecht wird.

 

Tayo ist ein Hund auf den ich mich im Training und in Notsituationen hundert Prozent verlassen kann. Milo ist dagegen so sehr stur! Vor allem im Alltag zeigt sich dies deutlich. Wenn es für ihn keinen Sinn macht, dann reagiert er nicht auf das was man sagt. Ruft man ihn, hört er es genau! Jedoch muss er zuerst noch fertig riechen bevor er kommt oder hat grad etwas Besseres zu tun und selbstverständlich hat dann das Frauli zu warten, bis der kleine Herr Zeit hat fürs Kommen...

Dafür ist er der wiffste, ehrgeizigste Arbeitshund den ich je hatte und - auch wenn es mir das Herz bricht soetwas über meinen Liebling sagen zu müssen, - in einigen Dingen ist er weitaus talentierter als Tayo.

 

Milo hat eigentlich erst im März 2018 mit dem Erkunden des Lebens und seiner Ausbildung begonnen und mit Stand Dezember 2018 haben wir bereits große Erfolge vorzuweisen. Was das Frauli unsagbar stolz macht!!!

 

  • Im Mantrailen hatte er in 4 Stunden ein Level erreicht, das für Tayo einfach illusorisch ist.
  • Treibball ist für ihn der ultimative Zeitvertreib!
  • Wir haben im Oktober 2018 die BH-Prüfung mit bravur bestanden und werden nächstes Jahr Richtung BGH1, BGH2 trainieren und uns auf Obedience vorbereiten.
  • Er hilft bereits im Hundesalon bei Angsthunden mit, ist ein top Trainerhund für Anfänger Vorführungen und eine großartige Hilfe in den Little Dog Academy Kursen.
  • Er wird noch viele andere Sportarten wie Longieren oder HoopersRun erlernen und hat eine glänzende Trainerhund-Karriere vor sich.

 

 

 

 

Natürlich ist es von Vorteil, wenn der Ersthund bereits eine Basisausbildung hat. Der neue Hund lernt viel durch Abschauen und Nachahmen. Jedoch ist nicht zu unterschätzen, daß der Zweithund auch jeden Blödsinn des anderen ebenso schnell überneimmt!

Außerdem bemerkt der bisherige Einzelhund sehr schnell, daß die Gesamtaufmerksamkeit nun durch zwei geteilt ist und beginnt die Lücken für Blödsinn zu nutzen.

 

Tayo hat beispielsweise wieder zu jagen begonnen und hat aufgrund des geringeren Zeitanteiles der ihm zu fällt, ständig ein anderes unerwünschtes Verhalten ausprobiert...was der kleine Hund natürlich sofort übernommen hat!

Selbstverständlich lässt sich sowas wieder ausgleichen, jedoch ist es mit Zeit, Energie, Geduld verbunden.

 

Die Dynamik im bisherigen Hund-Mensch-Team ändert sich total.

 

Immer wieder gab es Phasen, in denen Tayo wieder so zurückgezogen war, dass ich erneut an eine Vermittlung des Kleinen dachte. Daher wehrte ich mich emotional immer noch den Kleinen als hundert prozentig zugehörig zu sehen.

 

Vor einem Monat in etwa träumte ich davon, Milo zu vermitteln. In meinem Traum gab ich ihn probeweise zu den neuen Besitzern. Jedoch machte ich mir große Sorgen und weinte mir die Augen aus, bis ich mit absoluter Sicherheit zu der Familie stapfte und sagte: "...tut mir leid, Milo ist einfach mein Hund. Ich vermittle ihn nicht!", Milo entgegen nahm und mich ohne umzudrehen mit ihm fort ging. Als ich erwachte, war es geschehen - ich hatte den kleinen Hund absolut angenommen. Jetzt gehört er zu hundert Prozent zu uns!

 

Da ich Milo ursprünglich weitervermitteln wollte, habe ich seinen Namen nicht geändert. Oftmals geben neue Besitzer den Hunden auch einen neuen Namen. Ich dachte, dass überlasse ich den neuen Lebensmenschen von Milo. Nun lebt er bereits ein Jahr bei mir, da scheint mir ein Namenswechsel nicht angebracht.  Jedoch hat sich herausgestellt, dass die Arbeit mit zwei Hunden mit so ähnlichen Namen unsagbar schwierig ist. Tayo und Milo. Tayo fühlt sich beim Namen Milo ebenfalls angesprochen. Da er sich immer angespochen fühlt, aber oft nicht gemeint ist, keine Aufmerksamkeit oder keine Belohnung dafür bekommt, arbeitet er, wenn er tatsächlich gemeint ist, nicht mehr so gut mit.

 

Da ich als Verniedlichungsform von Milo, Milontschi, Miloni zu ihm sage, bin ich nun dazu übergegangen den kleinen Milo grundsätzlich "Miloni" zu rufen. In Trainingssituationen kann ich dann die Abkürzung "Loni" nutzen und so ist ein korrektes Arbeiten von beiden Hunden möglich.

 

Er ist der absolute Kasperl in meinem Leben! Er ist ein Traum zum Arbeiten und kuschelt die ganze Nacht bei mir. Im Alltag kann er mich zur Weissglut bringen, gleicht dies aber mit Aufgewecktheit und Charm wieder aus. Er ist ein Wiffzack der einen auf Trab hält und sich in jedes Herz schleicht. Durch seine unaufdringliche, spielerische aber hartnäckige Art bringt er die grantigsten, ältesten und einzelgängerischsten Hunde zur freudigen Kontaktaufnahme und seine Ruhe und Unerschrockenheit hilft vielen Angsthunden im Hundesalon.

 

Ich hab als Trainer nun einen Junghund zum Herzeigen von Trainingsanfängen und einen Könner zur Demonstration des Trainingszieles. Das perfekte Trainerhundepaar!

 

Die beiden haben sich zusammen gelebt und kommen toll miteinander aus. Wenn ein Zweithund, dann war Miloni genau der Richtige für Tayo und mich. Für mich ist es genau die Mischung, die ich für meine Arbeit und mein Herz brauche!

 

 

Sprich wir sind ein Hund-Mensch-Hund-Team, das nach langem Wege zur glücklichen Harmonie gefunden hat!

 

TAYO-CONNY-MILONI

 

Nachsatz: wie sich herausgestellt hat, hat der Zustand, in dem Milo zu mir kam, seine Nieren leicht geschädigt. Seine Werte sind im oberen Grenzbereich und werden jetzt regelmäßig von mir überprüft, um bei einer Verschlechterung sofort gegensteuern zu können.